‚Musicalstars in Concert’: Maya Hakvoort - „Maya Goes Solo“
 
 
von Markus Zeller (Oktober 2006)
 
 
 


MAYA HAKVOORT

Sie war die ‚Isabella’ der ersten Stunde in ‚Gaudi’, trotzte in ‚Catharine’ dem übermächtigen Napoleon, rührte als ‚Fantine’ die deutschen Zuschauer in Les Misérables’, gab zuletzt im österreichischen Baden bei Wien die ‚Evita’ und verkörperte wie kaum eine andere die Titelrolle in ‚Elisabeth’: Musicalstar Maya Hakvoort. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe ‚Musicalstars in Concert’ holten die beiden Produzenten Andreas Luketa und Markus Tüpker die Niederländerin mit Familienwohnsitz Wien nach Oberhausen ins Ebertbad, wo sie am 14. Oktober 2006 zum ersten Mal einem deutschen Publikum ihr Soloprogramm „Maya Goes Solo“ präsentierte. Wer jedoch einen Abend mit Musicalhits aus ihrem umfangreichen Bühnenrepertoire erwartete, wurde schnell eines Besseren belehrt: Maya Hakvoort bietet keine plumpe Aneinanderreihung der berühmtesten Solonummern aus ihren Shows, sondern meidet diese sogar konsequent – lediglich „Ich gehör nur mir“ aus – natürlich – ‚Elisabeth’ vermag sie dem Publikum zum Abschluss des zweistündigen Konzerts nicht zu verweigern. Ansonsten handelt es sich bei „Maya Goes Solo“ um ein intelligent gestricktes Liebhaberprogramm, mit dem sie ihre handwerklich überbordenden Fähigkeiten in allen Facetten zeigen kann.

 

Sei es nun bewegend zurückhaltend bei „As if We Never Said Goodbye” aus ‚Sunset Blvd.’ oder schier explodierend kraftvoll bei „Don´t Rain on My Parade“ aus ‚Funny Girl’ – ihre Interpretationen sind stets stimmig und vor allem punktgenau durchdacht – leider Gottes beweisen nicht alle Berufskolleginnen und -kollegen von ihr diese Qualität, wenn sie sich auf Solopfaden bewegen. Begleitet wird sie am Flügel von Aaron Wonesch, der ebendieses bereits für Johnny Cash und Tom Jones übernahm – auch wenn sie in „Weil er auf Jazz steht“ „lustvoll“ derlei musikalische Neigungen von Männern beklagt – der Wiener Jazzmusiker zeigt sich als kongenialer und perfekt eingespielter Partner der Künstlerin und verschafft ihr den nötigen Raum, so dass sich der Fokus alleine auf ihre Stimme und ihre Interpretation richten kann – Effekthaschereien haben in diesem Programm keinen Platz.

 

„Defying Gravity“ aus dem neuen Erfolgsmusical ‚Wicked’ und „Papa, Can You Hear Me?“ aus ‚Yentl’ sind weitere Höhepunkte des Programms, dessen Songs sie allerdings – im Übrigen der einzige Wermutstropfen des Abends – mit einer kräftigen Portion klebrigem Gutmenschentum zusammenzufügen pflegt: Statements zu ungerecht verteilten Ressourcen auf dieser Welt mögen zwar ehrbar sein, sind allerdings in diesem Kontext völlig deplatziert – vor allem, wenn sich deren Funktion eines bloßen Überleitungstextes so durchschaubar offenbart und diese zudem noch extrem konstruiert wirken. An dieser Stelle scheint die Künstlerin schlecht beraten, denn ihren Songs ist durchaus anzuhören, dass sie diese mit ganzer Seele interpretiert – eine unterstreichende Anmoderation ist überhaupt nicht vonnöten – eine schlechtgemachte wie in diesem Fall dagegen sogar kontraproduktiv.

 

Abgesehen von dieser leicht zu verschmerzenden Einschränkung handelt es sich bei „Maya Goes Solo“ um das jederzeit stilvolle Soloprogramm einer der wenigen Ausnahmedarstellerinnen im deutschsprachigen Bereich und somit um einen würdigen Beitrag zur Veranstaltungsreihe ‚Musicalstars in Concert’, die mit jedem Konzert ein wenig Lust auf Mehr macht ...