‚Musicalstars in Concert’: Yngve Gasoy-Romdal - „Listen to my song“
 
 
von Markus Zeller (April 2007)
 
 
 


Foto: © Ralf Rühmeier

Sein Weg führte ihn über den ‚Sunset Blvd.’ im südhessischen Niedernhausen in den deutschsprachigen Raum – von dort aus ging es nach Wien, Köln, Hamburg und Berlin, um nur einige der wichtigsten Stationen in seiner beeindruckenden Karriere zu nennen. Inzwischen hat sich der Norweger in unseren Gefilden fest in der Riege der beliebtesten und erfolgreichsten Musicaldarsteller etabliert: Yngve Gasoy-Romdal. In Stücken wie ‚High Society’, ‚Mozart!’ und ‚Jekyll & Hyde’ bewies er, dass er ein Mann für die großen Rollen ist – am 22. April 2007 konnte er nun in Oberhausen zeigen, dass ihm auch große Gefühle gut zu Gesicht stehen.

 

„Listen to my song“ heißt sein Soloprogramm, das er selbst konzipiert hat und im dortigen Ebertbad im Rahmen der Veranstaltungsreihe ‚Musicalstars in Concert’ zum ersten Mal einem Live-Publikum präsentiert, nachdem die dazugehörige CD-Einspielung bereits vorliegt. Das Titellied aus der Feder von Kurt Weill ist dabei durchaus als unmittelbare Aufforderung an das Publikum zu verstehen, denn das nicht leicht verdauliche Repertoire an diesem Abend umfasst viele stille nachdenkliche Songs, die Tiefe und Ernsthaftigkeit für sich beanspruchen. Er hat Lieder zusammengestellt, deren Texte ihm sehr viel bedeuten und die er für sich sprechen lassen will. Hierfür fordert er von seinem Publikum Aufmerksamkeit und das Sich-Einlassen auf die Songs ein. Diese behandelt er mal behutsam und bedächtig, mal kraftvoll und rauh, er formt und knetet sie, bis sie durch seine leidenschaftliche Interpretation ganz zu seinen „eigenen“ Songs werden, jeder einzelne zu einem unverwechselbaren „Romdal“.


"Es gibt Lieder, bei denen man ...

Dabei verlässt er sich auf seine kraftvolle Stimme und vor allem auf seine Bühnenerfahrung, die ihn stets stilsicher agieren lässt: Virtuos spielt er mit der leeren Bühne und dem Licht, sinkt nieder auf die Knie, hastet zur Rampe und sammelt sich wieder auf einem einsamen Stuhl – gekonnt macht er sich die einzigartige intime Atmosphäre des Ebertbades zunutze. Der Song „A bit of earth“ aus dem Musical ‚The Secret Garden’ entpuppt sich in seinen Händen zu einer Gänsehautnummer. Allgegenwärtig ist dabei das flirrende Klavier, an dem ihn an diesem Abend kongenial Andreas Hartwig begleitet.

 

Ebenso gefühlsbetont gestaltet sich der Gastauftritt von Lebenspartnerin Leah Delos Santos, was bei dem Liebesduett „Sonne und Mond“ aus ‚Miss Saigon’ sogar zum tränenerstickten Abbruch führt. Dass beiden jedoch auch durchaus die alltäglichen Nicklichkeiten einer irdischen Liebesbeziehung bekannt sind, beweisen sie mit der köstlichen ‚Annie Get Your Gun’ – Nummer „An Old Fashioned Wedding / Anything You Can Do I Can Do Better“, die sie dem Publikum mit sichtlich viel Spielfreude präsentieren.

 

Natürlich ist Yngve Gasoy-Romdal Profi genug, um zu wissen, was er seinem Publikum nicht vorenthalten kann. Hinsichtlich der für ein Soloprogramm unentbehrlichen „Hitsongs“ greift er jedoch nicht nur auf Standards wie die eher spannungsarme ‚Jekyll & Hyde’ – Hymne „Dies ist die Stunde“ zurück, sondern vor allem auf besonders intensive Nummern  wie „Wer will ´nen Traum?“ („Where i want to be?“) aus ‚Chess’. Auch die Songs seiner Paraderolle präsentiert er in einer liebevoll aufbereiteten Form, indem er die beiden ‚Mozart!’ – Hits „Warum kannst du mich nicht lieben?“ und „Wie wird man seinen Schatten los?“ geschickt zusammenfasst und somit verdichtet und ihnen mit der „Sehnsucht nach dem Frühling“ sogar noch ein musikalisches Originalzitat des Meisters (KV 596) voranstellt – besser geht es nicht.

 

Zum Höhepunkt gerät schließlich „Gethsemane“, der „Mount Everest“ unter den Songs für männliche Musicaldarsteller, für den er anlässlich der Bad Hersfelder ‚Jesus Christ Superstar’ – Inszenierung eine Art Referenz-Interpretation vorgelegt hat, an der sich die Kollegen zukünftig zu messen haben. Das fachkundige Publikum weiß um die Qualität des Dargebotenen und dankt es ihm mit Standing Ovations. „Listen to my song“ – ein intensives und reifes Programm eines melancholischen Nordmannes …


... das Gefühl hat, dass man sie schon immer gesungen hat, weil sie soviel mit einem zu tun haben" - Yngve Gasoy Romdal präsentiert sein Solo-Programm