‚The Count of Monte Cristo’

 

 

von Markus Zeller (März 2009)

 

 

 


Dieses preCast-Album zum neuesten Musical von Frank Wildhorn wird niemanden ernsthaft überraschen, auch wenn es das will – etwa mit ungewohntem Chorgesang im bombastisch orchestrierten Prolog. Doch der Vielschreiber unter den Musicalkomponisten bleibt sich auch für die Adaption des Abenteuerklassikers "Der Graf von Monte Christo" von Alexandre Dumas, die in nunmehr fünfter Zusammenarbeit mit Autor Jack Murphy entstanden ist, weitgehend treu: Auch diesmal dürfen die üblichen hymnischen Beltballaden amerikanischer Prägung, die auf dieser Aufnahme von Brandi Burkhardt in der Rolle der Mercédès mit viel Stimmgewalt interpretiert werden, nicht fehlen. Songs wie "When The World Was Mine" und "All This Time" dürften zwar den Gefallen eingefleischter Wildhorn-Fans finden, sind aber letztlich nur Allgemeinplätze, die in dieser oder ähnlicher Form in jedem seiner Stücke Verwendung finden könnten.

Ungewohnt auch die Besetzung des englischsprachigen Konzeptalbums, die sich mit Ausnahme der Broadway-Darstellerin ausschließlich aus Darstellern der deutschsprachigen Musicalszene rekrutiert. So präsentiert sich auf dieser Aufnahme ein glänzend aufgelegter Alexander Goebel, der in der Rolle des Abbé Faria mit dem Song "When We Are Kings" auf sich aufmerksam machen kann. Musikalisch hat sich Wildhorn wieder einmal kräftig am eigenen Fundus bedient – für den Song "I Know Those Eyes/This Man Is Dead" etwa entnimmt er ganze Harmoniepassagen und Tonfolgen aus "Dracula". Neu ist hingegen, dass er sich diesmal auch bei anderen Komponisten bedient – neben offensichtlichen Anleihen in der Klassik für den bereits erwähnten Prolog stand für den Song "Ah, Women", den Thomas Borchert im Duett mit Jesper Tydén interpretiert, unüberhörbar musikalisches Material von Stephen Sondheim Pate. Gleiches gilt für "Pretty Lies", bei dem es sich gleichwohl um den gesanglichen Höhepunkt der Einspielung handelt. Während den anderen Songs deutlich

anzuhören ist, dass die Rollenprofile zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht ausgearbeitet waren, überzeugt diesbezüglich einzig Pia Douwes als Valentine mit einer differenzierten und ausgereiften Interpretation.

Wildhorns neues Musical – mit enormer Klangfülle unter der musikalischen Leitung von Koen Schoots eingespielt, jedoch mit 13 Songs und einer Gesamtlaufzeit von 42 Minuten eher spärlich editiert – enthält allerdings auch einige unverwechselbare Songs, die sich durch Originalität auszeichnen und durchaus überzeugen. Hier ist vor allem der Verschwörersong "A Story Told" zu nennen, mit dem das Verräter-Triumvirat Mondego, de Villefort und Danglars, gesungen von Patrick Stanke, Mark Seibert und Mathias Edenborn, zu Beginn des Stückes das Schicksal von Dantès beschließen. Ein weiterer Anspieltipp ist "Hell To Your Doorstep", der im Stil der "Resurrection"-Aufnahme von ´Jekyll & Hyde´ produziert ist und mit einem rauen und treibenden Rhythmus aus dem beliebigen Material herausragen kann. Interpretiert wird dieser Song von Thomas Borchert, der die Hauptrolle des Edmond Dantès auch in der Bühnenaufführung übernimmt. Umso erstaunlicher, dass seine Interpretationen so wenig berühren und er zudem über so wenig zwingendes Songmaterial verfügt. Einzig "The Man I Used To Be" taugt als wiedererkennbare Hymne – die ganz große Melodie bleibt Wildhorn auf diesem Album jedoch schuldig.

Dass es Hauptdarsteller Borchert weitaus besser kann, hat er anlässlich der Uraufführung des Stückes am 14. März 2009 im Theater St. Gallen überzeugend unter Beweis gestellt. Zudem präsentierten sich dort noch einige weitere Songs mit Potenzial, sodass auf eine Einspielung der deutschsprachigen Aufführung zu hoffen bleibt. Bei den Wiener Musical-Spezialisten von HitSquad Records, die dieses Album in Zusammenarbeit mit Wildhorns neuen Label MWB (Music Without Borders) produzierten, wäre diese sicher in guten Händen.