‚Excalibur – The Celtic Rock Opera’

 

 

von Markus Zeller (Januar 2010)

 

  


Viel Spektakel ... / Foto: Christian Roch

Nachdem die Nostalgietruppe von „Nokia Night of the Proms“ ihre alljährliche vorweihnachtliche Tour durch die Arenen der Republik beendet hat, schickt sich seit Jahresbeginn eine neue Show an, die schon etwas in die Jahre gekommenen Publikumsschichten für sich zu gewinnen. Der französische Komponist Alan Simon und Regisseur Viktor Worms (ja – der von der ZDF-Hitparade) haben für ihre Bühnenadaption der Artus-Legende, die im Sommer vergangenen Jahres auf der Freilichtbühne der Kaltenberg Arena das erste Mal im deutschsprachigen Raum aufgeführt wurde, populäre Musiker aus den 70er- und 80er-Jahren angeheuert und um sie herum ein mittelalterliches Spektakel in Szene gesetzt, das auch in dieser Indoor-Version über einen enormen Schauwert verfügt. Zweite Station der am 02.01.2010 in Bremen gestarteten Tour war am 04.01.2010 die SAP-Arena in Mannheim.

 

Die wahre Geschichte von Artus und dessen Schwert Excalibur möchte er erzählen, wie Zauberer Merlin dem Publikum eingangs schildert. Er berichtet von der vergangenen Zeit des heiligen Rings, der Menschen und Götter vereinigte – einer Zeit der Unschuld, die sämtliche Bewohner in Eintracht zusammenleben ließ. Doch Feen und Elfen werden von der Armee der Schatten vertrieben, die das Idyll grausam zerstören. Hoffnung verspricht einzig der junge Artus, der das von Merlin in Stein gestoßene Götterschwert mühelos dem Fels entreißen kann und fortan mit seinen Rittern der Tafelrunde wieder für Einigkeit sorgt. Merlin erbaut dem jungen König das Schloss Camelot und Artus heiratet die bezaubernde Guinevere. Doch die Apokalypse wirft bereits ihre Schatten voraus: Lancelot ignoriert die Warnung Merlins und buhlt um die Gunst Guineveres. Die böse Zauberin Morgana und ihr Sohn Mordred sorgen schließlich dafür, dass Artus in der unvermeidlich gewordenen Schlacht tödlich verletzt wird. Als letzter Überlebender der Tafelrunde überantwortet Parzival schließlich das Schwert Excalibur dem heiligen See.


... viele Rockgrößen (hier Alan Parsons) / Foto: Morello

Alan Simon hat hierfür 21 gefällige Songs geschrieben, die zwischen Folk- und Prog-Rock angesiedelt sind – sie sind dramatisch, mitreißend, manchmal romantisch, oft unendlich traurig und natürlich auch kitschig. Für letztere ist vor allem Les Holroyd zuständig, ehemals Leadsänger von Barclay James Harvest, der mit wenig Verve die Songs von Lancelot gibt. Judy Weiss hingegen, einstmals Premierenbesetzung der Esmeralda in der Berliner Welturaufführung von ‚Disneys Der Glöckner von Notre Dame’ präsentiert ihre Guinevere mit überzeugend kräftiger und eindringlicher Stimme. Für die größte Überraschung des Abends sorgt jedoch Johnny Logan in der Rolle des König Artus – der bislang unter der Rubrik „Schmachtsänger“ firmierende Hauptdarsteller, seines Zeichens dreimaliger Gewinner des Eurovision Song Contest (zweimal als Interpret, einmal als Komponist) präsentiert sich gesanglich hervorragend disponiert und begeistert zudem mit starker Rockstimme. Die Mitwirkung von Alan Parsons, den Alan Simon beim Schlussapplaus als „einen seiner Helden“ vorstellt, gerät jedoch weitgehend sinnfrei und dürfte einzig und alleine der Erwartungshaltung der Zielgruppe nach großen Namen geschuldet sein: Ohne eigene Rolle interpretiert er zwei eher unbedeutende Songs und begleitet sich dabei an der Gitarre, obwohl die Karriere des genialen Soundtüftlers weder auf seinen Sangeskünsten noch auf der Virtuosität seines Gitarrenspiels beruht. Vielleicht will er aber auch schon mal für sein eigenes Excalibur-Musical üben, das er selbst noch im Köcher hat und nun schon seit einigen Jahren auf seine Bühnenpremiere wartet. Ein wenig mehr Übung im Vorfeld hätte auch dem Komponisten gut getan, der für viele seiner Songs schlichtweg kein Ende findet und diese daher einfach abrupt enden oder jämmerlich auslaufen lässt – eine Alternative zum Fadeout, wie er es aus dem Studio kennt, gehört allem Anschein nach nicht zu seinem musikalischen Rüstzeug.


... viel Mystik ... / Foto: Calogero Morello

Zu dieser kompositorischen Schwäche gesellen sich leider noch einige andere Unzulänglichkeiten, was die musiktheatralische Bühnenumsetzung der Show anbetrifft, die nicht als Ganzes, sondern immer nur in einzelnen Versatzstücken zu fesseln vermag. Dass sie ein einziger musikalischer Anachronismus ist, verzeiht man ihr gerne, zumal es zum Konzept gehört: Die Leidenschaft, mit der etwa Supertramp-Saxophonist John Helliwell, der schon für „Breakfast in America“ mächtig aufblies, seine Auftritte zelebriert oder auch die aufjaulenden Gitarrensoli von Jethro-Tull-Gitarrist Martin Barre machen den Zuschauern genauso viel Spaß wie den Musikern selbst, die ihren Auftritt im großen Rahmen sichtlich genießen. Allzu oft verliert sich die Show jedoch aus den Augen oder steht sich selbst im Weg: So reduziert sich ratzfatz eine Solonummer von Jacqui McShee, die mit ätherisch-klarer Stimme die Songs von Morgana interpretiert, auf die Hintergrundmusik für eine – wenn auch beeindruckende – Luftakrobatik-Einlage der Artistin Simone Heitinga. Oder Alan Parsons macht mit seiner Klampfe gerne auch mal mitten im Lied Platz für die Celtic Feet Dance and Theatre Company – die haben schließlich noch eine Riverdance-Nummer auf der Agenda. Für sich betrachtet alles tadellos dargeboten, mit einer „Rock Opera“ hat das jedoch nichts zu tun.


... viele große Gefühle ... / Foto: Calogero Morello

Michael Mendl (u.a. „Der Untergang“ und preisgekrönter Willy-Brandt-Darsteller in „Im Schatten der Macht“) vermag mit seiner Charakterisierung des Merlin, den er ebenso erhaben wie zugleich erdig gibt, noch einen letzten Rest von Anspruch zu retten. Alles andere in dieser Show zielt lediglich auf das Nostalgiebedürfnis des Zuschauers und den Schauwert ab, der jedoch zugegebenermaßen immens ist: Beim finalen Kampf zwischen Gut und Böse stehen sich Bösewichter auf Stelzen und kämpfende Ritter gegenüber. Viel Pyrotechnik, viel Akrobatik, ein ausgeklügeltes Lichtdesign, zwei Großbildschirme und eine bühnenfüllende Leinwand, auf der vorproduzierte Videosequenzen mit allerlei mystischen Landschaftsbildern laufen, tun ihr Übriges. Daneben noch ein vollständiges Sinfonieorchester, eine Folk-Rock-Formation und die derzeit in der Mittelalterszene schwer angesagte deutsche Band Corvus Corax – mit insgesamt mehr als 100 Mitwirkenden auf der Bühne und nicht zuletzt zwei Pferden im Auditorium bietet ‚Excalibur – The Celtic Rock Opera’ viel fürs Auge und Ohr. In ihrer Struktur freilich ist die Show naiv – sie betont nicht die tragischen und tiefen Momente des Artus-Stoffes, sondern beschwört lieber eine verklärte David-Balfour-Romantik. Aber trotzdem: Wer eine Affinität zu keltischer Musik und zur Artus-Legende mitbringt, dem wird sie viel Freude bereiten.


... und nicht zuletzt Michael Mendl, der als Zauberer Merlin durch die Show führt: ‚Excalibur – The Celtic Rock Opera’ tourt ab dem 02.01.2010 durch Deutschland! / Foto: Calogero Morello - sämtliche Fotos: © RW-Entertainment